8. Januar 2017

Whydah

 

Der erste Schock über die „Untersinkung“ der Falado war noch nicht ganz überwunden, da haben wir mit Aktionen, wie singen in der Fußgängerzone, Altgeld sammeln (was erstaunlich viel Geld ergeben hat) und Stammeskasse plündern, angefangen Geld für ein neues Schiff zu sammeln.

Nachdem die Whydah im Winter 2014/15 gekauft und nach Heiligenhafen überführt worden war, haben wir sie beim Arbeiten am Schiff schon mal ein bisschen kennengelernt.

Die Vorfreude auf unseren ersten Törn im Sommer war noch größer, als wir nach einem sehr arbeitsreichen Werfteinsatz das Schiff wieder verließen.

Einige Monate später war es soweit, wir sahen die Whydah wieder. Die endlose 30 Stunden Zug-, Fähr- und Busfahrt nach Oxelösund in Schweden war leicht zu verschmerzen in Anbetracht der 2 tollen Wochen, die vor uns liegen sollten.

Als ganzer Stamm passten wir nicht auf’s Schiff, daher segelten wir in zwei Gruppen jeweils eine Woche mit immer 12 Leuten. Bunt gemischt von 14 bis 32 Jahren, plus ein Baby.

Unser Törngebiet waren die schwedischen Schären und Fjorde der Ostsee zwischen Oxelösund und Stockholm.

Die erste Teil-Crew hatte leider wenig Glück mit dem Wetter – der „terrible summer“, wie die Schweden diesen Sommer beschreiben, hat sie voll erwischt. Kalt, Regen und kein Sonnenschein prägten die erste Woche auf der Whydah.

Natürlich fährt man auf einem Segelschiff, um zu segeln und nicht um in der Sonne zu liegen, aber ein paar Grad mehr Wärme und dafür ein paar Tropfen weniger Regen wären auch schön gewesen.

Dennoch, ein besonderes Erlebnis auf dem Törn war für uns eine Fahrt durch plötzlich aufkommenden Nebel, bei der man kaum sehen konnte, was um die Whydah herum geschah. Gespenstische Stille, Nebelhörner und das Knarzen des Ruders. Keinen von uns hätte es gewundert, wenn die „Black Pearl“ an uns vorbeigeglitten wäre und Jack Sparrow gewunken hätte.

Aber, schlechtes Wetter kann man sich schön essen. Daher waren bei uns, zum obligatorischen und stilechten Kaffeetrinken am Nachmittag Kanel Bullar, schwedische Zimtschnecken, besonders beliebt. Aber nur die „Echten“, mit dem Hauch von Kardamon drin!

In Stockholm beim Teil-Crewwechsel nach einer Woche haben wir alle zusammen das Vasa-Museum besucht. Die Vasa war ein Schiff, welches im 17. Jahrhundert bereits während seiner Jungfernfahrt, direkt vor der Hafenausfahrt, sank.

Am Abend des Crewechseltages gab es ein leckeres Captain‘s Dinner. Dabei sind die Rollen vertauscht, der Skipper kocht einmal für die Crew. Es gab sehr schwedische Köttbullar! Sehr lecker und jede Menge!

Praktischerweise blieb in den zwei Wochen, die unser Stamm segelte, immer eine „Stammcrew“ auf dem Schiff. Sie konnte die Neuankömmlinge in der zweiten Woche über die Eigenarten des Schiffs aufklären. Und sich als praktisch erwiesene Regeln und Wissen an die zweite Teil-Crew weitergeben. Dadurch kehrte in der zweiten Woche sehr schnell eine Routine ein, die es zuließ, dass wir mehr segeln konnten und weniger mit anderen Dingen an Bord beschäftigt waren.

Trotz ungleicher Wetterbedingungen hatten alle Mitsegler gleichermaßen Spaß an ihrer Tour! Die zweite Teil-Crew hatte fast ausnahmslos sonniges Wetter, aber eben auch mal Flaute.

An einem besonders schönen Tag haben wir Sonne und Wind zum Anlass genommen, das Dingi zu Wasser zu lassen, um Fotos von der Whydah zu machen.

Mit zwei Leichtmatrosen und einem wasserdichten Fotoapparat bemannt, segelte das kleine Dingi kurze Zeit später in einiger Entfernung, neben der Whydah her. Der Skipper gab Befehl alle Segel zu setzen und mit Volltuch segelte die Whydah, Wende für Wende, im Sonnenschein vor der Kameralinse hin und her. Sehr fotogen ließ sie sich elegant und schnittig ablichten. Die Schären mit Steinen und Wäldern boten dafür eine wunderschöne Kulisse. Und von Wind, Geschwindigkeit und Betriebsamkeit an Bord berauscht, segelten wir dahin und das Dingi mit seinen Fotografen war bald vergessen und nur noch ein kleiner weißer Punkt auf dem Wasser. (Wir haben es später wieder eingesammelt.)

Eine wunderbare Eigenart der südschwedischen Ostseeküste sind die naturbelassenen Buchten, in denen es sich ausgezeichnet anlegen oder ankern lässt.

Auf Felsen über dem Meer sitzend, umgeben von typisch skandinavischer Natur und nur wenigen Mücken, konnten wir so idyllisch wie nur selten, zu Abend essen. Während die Sonne hinter uns in den schönsten Farben unterging, redeten wir über den vergangenen Segeltag und freuten uns auf den nächsten und quatschten bis spät in die laue Nacht über dies und das. In den normalen Häfen, die wir anliefen, konnten wir dafür duschen und wurden sogar einmal von fliegenden Fischen und einer Sauna empfangen.

Eine Neuerung auf der Whydah, die uns sehr gut gefallen hat, waren die Schubladen unter den Kojen, in denen man prima Fahrtengepäck verstauen konnte. Chaoskojen sind Schnee von gestern.

Natürlich haben wir fleißig Postkarten an die Spenderinnen und Spender geschrieben, welche sich bei der Crowdfundingaktion ein entsprechendes Abo oder auch eine einzelne Postkarte von See gesichert hatten. Teils gingen die Karten an uns bekannte Leute, teils aber auch an für uns unbekannte Menschen. Das war sehr interessant, weil man sich alles Mögliche vorstellen konnte, wer die Empfänger waren und dementsprechend einen netten Text auf die Karte geschrieben hat.

Wer auch dieses Jahr eine Postkarte oder ein ganzes Abo von See haben oder verschenken möchte, schaue mal auf die Falado.de-Seite, dort sind wieder welche zu haben.

Das neue Schiff gefällt uns nach diesen zwei Wochen ausgiebigen Kennenlernens ausgesprochen gut! Die gute Geschwindigkeit, nicht zu komplizierte Segelbarkeit, das stilvolle, wenn auch etwas undichte Dingi und die faladoartige Atmosphäre in der Messe sind nur einige Beispiele für die tollen Eigenschaften der Whydah.

Wir freuen uns, die Whydah auf See kennengelernt haben zu dürfen und konnten uns nur schweren Herzens von ihr und den wunderschönen schwedischen Scheren verabschieden.

Bis zum nächsten Mal, hübsche Whydah!